Kinaesthetics in der Martinsschule

Die Martinsschule hat sich auf den Weg gemacht, Kinaesthetics zunehmend in den schulischen Alltag und in den Unterricht zu integrieren. Um die größtmögliche Eigenaktivität der Schüler*innen zu unterstützen und diese bewusst in die Gestaltung von Bewegungen und Interaktionen einzubeziehen, bietet Kinaesthetics unterschiedliche Möglichkeiten

Daher hat die Martinsschule in Zusammenarbeit mit Kinaesthetics Deutschland (BiP Freiburg) ein langfristig angelegtes Fortbildungs­konzept entwickelt, das fortwährend umgesetzt und von der Unfallkasse Baden-Württemberg großzügig finanziell unterstützt wird. Seit 2016 finden regelmäßig Grund- und Aufbaukurse in Kinaesthetics zur Schulung der Mitarbeiter*innen aller Berufsgruppen statt. Auch für Eltern und pflegende Angehörige werden je nach Bedarf Grundkurse in Kinaesthetics angeboten. Diese Kurse finden abends oder samstags statt und sind kostenfrei.  

Im Rahmen der Umsetzung von Kinaesthetics an der Martinsschule wurden zwei pädagogische Tage gestaltet, um gemeinsam mit Schulleitung, Kollegium und allen Pflege- und Betreuungskräften Möglichkeiten zu erarbeiten, wie Kinaesthetics im Unterrichtsalltag eingebettet werden kann.

Des Weiteren haben derzeit 4 Kolleg*innen ihre Ausbildung als Kinaesthetics- Peer-Tutoren abgeschlossen. Sie begleiten Schüler*innen und Mitarbeiter*innen der Martinsschule im schulischen Alltag, um gemeinsam neue Bewegungsangebote mit diesen zu entwickeln und zu gestalten. Darüber hinaus bieten sie regelmäßig Fortbildungs- und Austauschmöglichkeiten für alle Mitarbeiter*innen der Martinsschule an.  

Kinaesthetics bedeutet „Bewegungswahrnehmung“.

Das Wort ist zusammengesetzt aus den Begriffen Kinesis = Bewegung und Aesthetics = Wahrnehmung

Der Begriff „Kinaesthetics“ wird an der Martinsschule mit dem Begriff „Kinästhetik“ gleichgesetzt.

Kinaesthetics bedeutet also letztlich ein Erkennen und die Wertschätzung der ganz eigenen und individuellen Fähigkeiten eines Jeden!

Kinaesthetics wurde Ende des vorigen Jahrhunderts von F. Hatch und L. Marietta in den USA entwickelt und vor allem für die Anwendung im Bereich der Pflege zur körperlichen Entlastung und Erleichterung der Mitarbeiter*innen eingesetzt und stets weiterentwickelt.

Mittlerweile ist es ein auch europaweit anerkanntes Lernkonzept welches hilft, die eigene Bewegung bewusster wahrnehmen zu können. So wird Kinaesthetics zur Ressource für die eigene Gesundheitsentwicklung und -erhaltung.

Mit dieser geschulten Bewegungs- und Wahrnehmungskompetenz erlernen die Mitarbeiter*innen aber auch die vorhandenen Fähigkeiten der Schüler*innen zu erkennen, sie wahrzunehmen und diese dann ganz individuell zu nutzen.

In interaktiven, gemeinsamen Bewegungsabläufen wird mit und für die Schülerin oder den Schüler ein Lernprozess in Gang gesetzt. Dieser kann während der Pflege, eines Transfers und in unterschiedlichen Situationen des Unterrichts, wie beispielsweise bei der Begrüßung am Morgen und beim An- und Ausziehen der Jacke, stattfinden.

 

Weiterführende Literatur, die dieser Zusammenstellung zugrunde liegt:
Hatch, Frank/ Maietta, Lenny (2003): Kinästehtik. Gesundheitsentwicklung und menschliche Aktivitäten. München: Urban und Fischer.

Asmussen, Maren (2010): Praxisbuch Kinaesthetics. Erfahrungen zur individuellen Bewegungsunterstützung auf Basis der Kinästhetik. München: Urban und Fischer.

In der Zusammenarbeit mit hilfsbedürftigen Menschen ist die Beanspruchung der helfenden und pflegenden Mitarbeiter*innen oder der pflegenden Angehörigen oft sehr groß und auf Dauer eine zu hohe körperliche Belastung. Als erstes machen sich meist Schmerzen im Rücken- und Schulterbereich bemerkbar.

Kinaesthetics bietet die Möglichkeit einen bewussteren Umgang mit sich und seinem Körper zu erlernen.

Durch Kinaesthetics wird vermieden, Schüler*innen zum passiven Objekt einer Pflegemaßnahme zu machen. Es wird ihnen vielmehr ermöglicht, sich aktiv mit den eigenen Fähigkeiten an einer Bewegung, einem Transfer von A nach B oder einer Pflegesituation zu beteiligen. So wird ihre Autonomie gewahrt und sie lernen ihre Bewegungsabläufe selbstbestimmter zu gestalten.

Somit entfernen wir uns mit Kinaesthetics vom Heben und Tragen hin zu individuellen und körperschonenden Bewegungsabläufen, die gleichzeitig wertschätzend als Lernprozess für die Schüler*innen entwickelt und gestaltet werden.

Kinaesthetics ist also keine bloße Methode zum Erlernen des richtigen Handgriffes, denn hier gibt es kein „Richtig oder Falsch“, sondern vielmehr werden Pflegende, Lehrkräfte oder Angehörige sowie die Schüler*innen in ihrer eigenen Wahrnehmungs- und Bewegungskompetenz geschult und gefördert.

Kinaesthetics ermöglicht das Bewusstwerden der eigenen Bewegungsmuster. So erlernt man, wie Bewegung funktioniert, und kann andere darin anleiten und effektiv unterstützen!

 

Weiterführende Links
Kinaesthetics Deutschland: www.kinaesthetics.de
Bip Freiburg: www.bip-freiburg.de